Unfairer Wettbewerb wird Europas Bauern ruinieren

Demo II Die Nachfrage nach ökologischen, fairen und regionalen Lebensmitteln steigt in ganz Europa. Doch gleichzeitig müssen mehr und mehr Kleinbauern ihre Höfe aufgeben – eine erschreckende Entwicklung, die durch TTIP eine ganz neue Dimension bekommen könnte. Die 23.000 Menschen, die im Januar in Berlin auf der „Wir haben es satt!“-Demonstration für eine nachhaltige Landwirtschaft demonstrierten, sind auch aus genau diesem Grund auf die Straße gegangen.

Durch die sinkenden Milch-, Weizen- und Getreidepreise haben deutsche Bauern im vergangenen Jahr ein Drittel ihres Einkommens pro Mitarbeiter verloren, belegt eine Statistik der EU-Statistikbehörde EUROSTAT. Eine Öffnung des europäischen Marktes für billigere Wettbewerber aus den USA, zu der TTIP führen würde, würde noch mehr Bauern zwingen, aufzugeben.

Da überrascht es nicht, dass für die Menschen auf der Demonstration für eine nachhaltige Landwirtschaft in Berlin TTIP ein zentrales Thema war – wie auch schon im vergangenen Jahr. Nach den Gründen für ihre Ablehnung gegenüber TTIP gefragt, drückten sie ihre Sorge darüber aus, dass das Abkommen zu einem weiteren Preisverfall, mehr Hofschließungen und mehr Massentierhaltungsanlagen führen würde.

Eine Studie, die der deutsche Unternehmensverband UnternehmensGrün jüngst veröffentlicht hat, beleuchtet die potentiellen Auswirkungen von TTIP auf kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) im Lebensmittelsektor und bestätigt genau diese Sorgen.

„Die Landwirtschaft in Europa ist von kleinen, familienbetriebenen Bauernhöfen geprägt, die nicht gegenüber der großen amerikanischen Agrarindustrie bestehen können“, sagt Katharina Reuter, Direktorin von UnternehmsGrün und Autorin der Studie. Bauern in der EU und Lebensmittelproduzenten exportieren relativ wenig in die USA. TTIP würde an dieser Situation wohl nicht viel verändern, da es vor allem zu einem weiteren Anziehen des Wettbewerbsdrucks führen würde, so die Studie.

Der Grund dafür, dass Produkte wie beispielsweise Weizen in den USA billiger sind, liegt in der Größe der Agrarkonzerne und an niedrigeren und anderen Standards, zum Beispiel im Bezug auf Pestizide und gentechnisch veränderte Produkte. Da Freihandel das genaue Gegenteil von Protektionismus sei, „ist es nach wie vor unklar, wie die EU kleine und mittlere Bauernhöfe und Lebensmittelproduzenten vor diesem unfairen Wettbewerb schützen will“, warnt Reuter.

Lokal produzierte Nahrungsmittel zu kaufen und auf die Produktqualität zu achten macht bereits einen großen Unterschied aus. Doch um die nachhaltige Landwirtschaft und Lebensmittelstandards langfristig zu bewahren, müssen Landwirte und Verbraucher – und ihre Verbände – in ganz Europa ihre Stimmen erheben und den Entscheidungsträgern klarmachen, dass wir Bürger Deals wie TTIP ablehnen.

Foto: Uwe Hiksch